April 2018

Ornithologischer Sammelbericht 2017 liegt vor

Das zu­rückliegende Jahr erwies sich für Vogelkundler als überaus spannend. Mit dem Kiefernkreuzschnabel wurde eine neue Art für Lippe nachgewiesen. Zu den weiteren spannenden Durchzüglern und Gästen zählten unter anderem Berghänflinge, Bienenfresser, Steinwälzer und Mittelsäger.  Erstmals wurde für Lippe eine Brut der  Mandarinente bekannt - ein weiteres Neozoon in der heimischen Avifauna. Während Kanada-, Grau- und Nilgans gute Bruterfolge aufwiesen, war bei den angestammten Wasservögeln der Bruterfolg auffallend schlecht. Anhand von Diagrammen zu langjährigen Bestandsentwicklungen stellt der Bericht heraus, dass der Norderteich seine ehemals herausragende Bedeutung als Brutstätte und Rastgebiet für Wasservögel eingebüßt hat. Demgegenüber erweist sich die lippische Weseraue als absoluter hotspot für Vogelkundler. Diese und viele andere spannenden Daten und Fakten können Sie dem neuen Ornithologischen Sammelbericht 2017 entnehmen.

Januar 2018

Eine neue Brutvogelart für Lippe: die Mandarinente

 

Männliche Mandarinente | Foto: K. Höwing
Weibliche Mandarinente | Foto: K. Höwing

Als der damalige Leiter des lipp. Naturkundemuseums, Oskar Suffert, am 23.02.1963 eine Mandarinente am Donoper Teich beobachtete, konnte er noch nicht ahnen, dass diese in China beheimatete Entenart sich eines Tages in Deutschland als Brutvogel etablieren würde. Beliebt und weit verbreitet als Ziergeflügel war es nur eine Frage der Zeit, bis aus Gefangenschaftsflüchtlingen Wildvögel würden. Zwar wurde es danach längere Zeit ruhig um die Mandarinente in Lippe. Doch etwa seit der Jahrtausendwende mehren sich die Sichtungen. Oft taucht die Art mitten in Siedlungen auf. Eine Auswertung der Daten seit 2004 zeigt, dass Mandarinenten bei uns fast jährlich gesichtet werden, oft immer wieder an denselben Gewässern (z. B. Heipker See). Fast stets sind es Einzelvögel (i. d. R. Männchen), in den letzten Jahren öfters auch Pärchen.

In anderen Landesteilen sind Mandarinenten als Brutvögel längst etabliert. So war zu erwarten, dass sie sich auch bei uns bald in freier Wildbahn vermehren würden. „Nahe dran“ war mglw. ein Pärchen in Schlangen im Frühjahr 2016. Nachdem die Lippische Landeszeitung über ein Mandarinenten-Pärchen berichtete, dass sich seit nunmer einem Jahr an einem Gewässer bei Schwalenberg aufhält, kam aus der Bevölkerung der entscheidende Hinweis: dieses Pärchen hat im Frühjahr 2017 dort erfolgreich gebrütet. Da das Weibchen sich aber mit dem Nachwuchs auf ein Privatgelände zurückgezogen hat, blieb dieser erste Vermehrungsnachweis weitgehend unbemerkt.

Damit scheint sich nach Kanadagans, Nilgans und Graugans ein weiteres Neozoon (so nennt man eingebürgerte Neubürger fremdländischen Ursprungs unter den Tieren) unter den Wasservögeln in Lippe zu etablieren. Vielleicht sichert diese Anpassung dieser prächtigen Vogelart das Überleben in freier Wildbahn, denn während sich Mandarinenten in ihrer neuen Heimat Mitteleuropa ausbreiten, sind die ursprünglichen Bestände in Ostasien gefährdet..