August 2011 - Ringelnatter im lippischen Südosten
Weitgehend verschwunden
Eine Zeitungsmeldung Mitte der 1990er Jahre über eine nahe der lippischen Grenze in Bad Pyrmont überfahrene Ringelnatter, war bislang der letzte uns bekannte Nachweis dieser hübsch gezeichneten Schlangenart in der Region. Ein Blick auf die aktuelle Verbreitungskarte in NRW (AK Herpetologie in NRW) verdeutlicht, dass im Kreis Lippe aktuelle Sichtungen weitgehend fehlen. Abgesehen von der Senne und einem Fundpunkt bei Bielefeld liegen regelmäßige Nachweise nur aus der Umgebung der Weser vor. Folgerichtig wird die Ringelnatter auf der aktuellen Roten Liste generell als stark gefährdet, im Naturraum Weserbergland sogar als vom Aussterben bedroht eingestuft.
"Man müsste mal genauer nachforschen..." haben wir des öfteren gesagt, aber wie so oft wäre es bei dem Vorsatz geblieben, wenn nicht Herr Tiemann aus Lügde die Initiative ergriffen hätte. Ausschlaggebend war ein Gespräch über Schlangenvorkommen in der Region im Frühjahr 2011. Damals berichtete er mir von Beobachtungen des Vorjahres. Möglicherweise habe ich etwas skeptisch gewirkt oder auch motivierend - wie dem auch sei, nun sollte der fotografische Beleg her. Vor zwei Wochen war es dann soweit - eine Ringelnatter war gesichtet worden.
Der Fundort war auf den ersten Blick ungewöhnlich. Eine südexponierter Waldrand auf den von Buchenwäldern bedeckten Muschelkalkhöhen des Pyrmonter Talkessels weitab vom nächsten Gewässer. Als wechselwarme Tiere bevorzugen Ringelnattern wärmebegünstigte Lebensräume und besiedeln so auch sonnenexponierte Hangbereiche und lichte Laubwälder. Da jedoch Amphibien eine wichtige Nahrungsquelle darstellen, gehören Fließ- oder Stillgewässer in der Regel zur Lebensraumausstattung.
Es erscheint unwahrscheinlich, dass die Ringelnatter von ihrem Fundort aus die Emmeraue erreichen kann. Schließlich stellt die Zerschneidung unserer Landschaft durch Verkehrswege eine der größten Gefährdungen der letzten Vorkommen dar. Möglicherweise kann die Art aber auch in dem Fundareal ganzjährig überleben, da sie in ihrer Beutewahl offensichtlich flexibler ist, als man gemeinhin annimmt.
Weitere Meldungen gesucht
Natürlich möchten wir nun wissen, ob es sich um ein isoliertes Vorkommen handelt oder ob es in der Nachbarschaft oder aber auch im übrigen Kreisgebiet weitere Ringelnatter-Sichtungen gibt.
Bitte teilen Sie uns Ihre Beobachtungen mit.
Im Übrigen sind Ringelnattern völlig ungefährlich. Abgesehen von ihrem strengen Schutz sollte es selbstverständlich sein, die Schlangen nicht zu beunruhigen oder gar zu töten. Sie sollten sich vielmehr über einen besonderen Fund freuen.




