2010

Besondere Meldungen des Jahres 2010

Juli 2010

Baumfalkenbrut im Blomberger Becken

Der Baumfalke gehört als Spätheimkehrer zu den eher übersehenen Arten. Wenn die ersten Hitzewellen über das Land gehen und die Ornithologen sich vielfach kurzfristig anderen Interessen widmen, dann beginnt die Zeit in der dieser wunderschöne Falke im Kreis Lippe beobachtet werden kann. Zu den regelmäßig besiedelten Bereichen gehört die halboffene Landschaft über den Sandböden beiderseits des Teutoburger Waldes, wobei die Senne sicherlich das Dichtezentrum bildet. Er brütet aber auch regelmäßig in den Beckenlandschaften des lippischen Südostens. So konnte Werner Maas im Umfeld von Herrentrup aktuell eine Brut nachweisen. Auffällig ist die Bevorzugung von kleinen Pappelwäldchen oder Pappelreihen. Hier bezieht der Baumfalke frische Krähenhorste, aus denen die Brut gerade ausgeflogen ist. Also ein typischer Zweitmieter.... 

Juni 2010

Steinkauzbrut im Kreis Lippe nachgewiesen

Jörg Westphal und Bernd Mühlenmeier, Mitarbeiter des Kreises Lippe, konnten nach einem Hinweis aus der Bevölkerung einen aktuellen Brutnachweis des Steinkauzes für den Kreis Lippe erbringen. Nachdem vor wenigen Wochen eine unangenehm riechende Brutröhre Anlass zur Hoffnung war, gab nun ein Totfund im näheren Umfeld traurige Gewissheit. Gleichwohl gibt es hierdurch begründete Hoffnung, dass wir nun in Lippe zusätzlich zu Raufusskauz, Sperlingkauz und den vertrauten größeren Eulen, nun auch wieder den Steinkauz zu den heimischen Brutvögeln zählen dürfen.
Schon seit mehreren Jahren gab es von Mitgliedern unserer Ornithologischen AG (u.a. von D. Grote, M. Noltekuhlmann und H. Ziebell) Hinweise auf Vorkommen des Steinkauzes im Großraum Detmold - Lage - Lemgo. Wirklicher Brutverdacht bestand jedoch erst einmal Ende der 1990er Jahre (D. Grote). Dies ist auch nicht weiter verwunderlich, da die Region zwischen Teutoburger Wald und Wiehengebirge bis vor kurzem nicht vom Steinkauz besiedelt war. Noch 1997 wird im Atlas der Brutvögel von Westfalen für die Kreise Herford, Lippe und für die Stadt Bielefeld kein Vorkommen der Art angegeben.

Kaum nachgewiesen und schon tot - der traurige Nachweis eines Steinkauzes | Foto: J. Westphal
Lebt in enger Nachbarschaft - der Steinkauz | Foto: B. Brautlecht
Jungvogel| Foto: B. Brautlecht

1998 begann dann im Kreis Herford die Wiederbesiedelung der Region. Mittlerweile brüten dort, dank der Initiative der dortigen Naturschützer und der Biologischen Station Ravensberg, mehr als 13 Brutpaare. So erschien es nur eine Frage der Zeit zu sein, wann die ersten Steinkäuze sich auch über die lippische Grenze wagen.
Die Angaben zur historischen Verbreitung des Steinkauzes im Kreis Lippe sind insgesamt sehr ungenau. Konkrete Brutplätze werden überhaupt nicht genannt. So schreibt G. Wolff in seiner "Lippischen Vogelwelt" aus dem Jahr 1925 zwar "sowohl in Baumhöfen und Obstgärten, als auch an Landstraßen traf ich ihn als Brutvogel mehrfach an"; doch bereits 1948 deutet F. Goethe "im Allgemeinen recht selten geworden" einen Rückgang der Art an und 1952 wird der Steinkauz im Spätwerk von G. Wolff überhaupt nicht mehr erwähnt.
Aber vielleicht gibt es ja, wie im Nachbarkreis, auch in Lippe bald eine Renaissance dieses hübschen Kauzes. 

Die Rohrweihe brütet wieder im Kreis Lippe

Die Rohrweihe zählt zu den regelmäßig, aber selten in Lippe zu beobachtenden Vogelarten. Seit 1999 fehlen gesicherte Brutnachweise. Die letzte bekannte Brut erfolgte 1999 am Norderteich. Die gehäuften Beobachtungen der letzten Jahre deuten daraufhin, dass es möglicherweise Brutversuche in Ackerbereichen gegeben hat. Dieser Verdacht konnte jedoch nicht bestätigt werden. Auch aus diesem Jahr liegen zahlreiche, z.T. weit über das Kreisgebiet gestreute Meldungen von Rohrweihen vor. Im Gegensatz zu den Vorjahren gibt es aber im Jahr 2010 gleich an zwei Stellen des Kreisgebietes konkreten Brutverdacht. Eine sehr erfreuliche Entwicklung - nicht nur angesichts der Seltenheit der Rohrweihe, sondern auch wegen der schönen Beobachtungsmöglichkeiten dieses eleganten Greifvogels in unserer unmittelbaren Umgebung.

Mai 2010

Neue Brutvogelart in Lippe

Der Birkenzeisig ist eine weit verbreitete Art, die in den letzten Jahrzehnten zunehmend in unseren Siedlungen vorkommt, auch als Brutvogel. Doch offenbar ist sie bis heute vielen Vogelbeobachtern unbekannt geblieben. Der Grund dafür dürfte vor allem darin liegen, dass Birkenzeisige sich nicht so leicht beobachten lassen wie beispielsweise der verwandte Girlitz, dessen unverwechselbarer Gesang oft in einem auffälligen Singflug oder von exponierter Warte vorgetragen wird. Der Birkenzeisiggesang erinnert eher an einen Grünfink. Obwohl der Gesang oft im Flug geäußert wird, ist der Singflug weniger auffällig als beim Grünfink oder Girlitz.

Brutzeitfeststellungen vom Birkenzeisig im Kreis Lippe

Aktuelle Brutzeitfeststellungen des Birkenzeisigs in Lippe in 2010

  • Mehrfach im Domänenviertel Schieder (hier bereits in 2009, siehe Ornithologischen Sammelbericht 2009) (H.Sonnenburg)

  • Schieder am Parkplatz des Freizeitzentrums Schiedersee (H.Sonnenburg)

  • Schieder am Parkplatz Seeterrassen (H.Sonnenburg)

  • Detmold Mitte, Ameide (am Landesmuseum)

  • Detmold Orbke, Am Hessentuch (D. Grote)

  • Detmold, Teichstraße (D. Grote, H.Sonnenburg)

  • Detmold Siegfriedstraße (D. Grote)

  • Lemgo, Am Ringofen (D. Grote)

  • Leopoldshöhe

  • Lemgo Lipperlandhalle (D. Grote)

  • Blomberg Borkhausen (B. Brautlecht)

Wo in Lippe kommen weitere Birkenzeisige vor?
Da die oben genannten Beobachtungen sicher nur die Spitze des Eisberges sind, bitten wir Sie, verstärkt die Augen und vor allem die Ohren aufzuhalten. Bitte melden Sie uns Ihre Beobachtungen, damit wir die Fundortliste auf unserer homepage aktualisieren können Es ist sicher hilfreich, sich den Gesang mittels einer Vogelstimmen-CD/DVD vertraut zu machen, um sich besser auf diese Art zu sensibilisieren.

Bei Detmold entdeckt - das Schwarzkehlchen | Foto: D. Grote

Ökologisches lippisches BirdRace

Zwei lippische BirdRace-Teams beteiligten sich am 08. Mai an dem bundesweiten Wettbewerb. Hierbei bewiesen die Uhulogen mit sensationellen 109 Arten, dass auch bei ökologischer Fortbewegung ausschließlich zu Fuß und mit dem Rad im Kreis Lippe ein immenses Artenpotential festgestellt werden kann. Auf ihrem Weg von der Senne zum Norderteich ließen sie sich nicht mal von den Höhenzügen des Teutoburger Waldes aufhalten. Die Sennelogen erreichten in einer Kombination von ausgedehnter Fußwanderung und abschließender Fahrt zu einigen Hotspots immerhin noch 91 Arten. Zu den besonderen Beobachtungen beider Teams gehörten Schwarzkehlchen und Bruchwasserläufer. Lediglich der Silberreiher hatte sich am Vorabend aus dem Staub gemacht und verhinderte eine höhere Wertung. Hintergrundinformationen zum bundesweiten BirdRace und zu den Artenlisten der lippischen Teams finden Sie auf der Seite des DDA. Einen Bericht vom legendären ersten lippischen BirdRace können Sie hier herunterladen.

April 2010

Raufußkäuze im lippischen Südosten

Sie machen den Ornithologen das Leben schwer. Potentiell auf der Beuteliste der größeren Eulenarten stehend, rufen die kleinen Käuze nur extrem selten, oftmals auch sehr leise oder nur zu eingeschränkten Zeiten. Alles Umstände, die den Nachweis nicht unbedingt erleichtern. Trotzdem konnte Werner Maas in der zweiten Aprilwoche auf dem Winterberg einen nicht rufenden Raufußkauz beobachten. Am 16.04.2010 gelang auch gegenüber auf dem Mörth nach längerer Zeit wieder ein Nachweis. Um 16.30 Uhr bei vollem Sonnenschein ertönte am Westrand des Mörthes für 10 Sekunden die typische Rufreihe des Raufußkauzes. Danach war wieder Schweigen im Walde. Warum sich die kleinen Kauzarten so verhalten, erfahren sie hier.....

Zwergmöwen auf dem Durchzug in Lippe

Am 19.04.2010 konnte H. Sonnenburg eine adulte Zwergmöwe auf dem Schiedersee beobachten. Bereits in der Vorwoche gab Herr Ziebell aus Bad Salzuflen Hinweise auf die (unsichere) Beobachtung einer nicht ausgefärbten Zwergmöwe an den Abgrabungsgewässern im Westen von Lippe. Es lohnt sich also derzeit bei jeder Möwe genauer hinzuschauen....

März 2010

Zwergschnepfe im Garten

Der wahre Ornithologe liegt morgens früh um 6.00 Uhr im taunassen Gras und wartet steifgefroren auf die sensationellen Beobachtungen. Dass es aber auch ganz anders geht, bewies Familie Morgenstern, die bequem in ihrem Heim in Blomberg-Cappel beim Frühstück sitzend in ihrem Garten eine Zwergschnepfe entdeckten.

Im Vertrauen auf die vorzügliche Tarnung blieb die Schnepfe über Stunden sitzen und ermöglichte so, dass der Blomberger Naturfotograf Bernhard Brautlecht diesen Glücksfall dokumentieren konnte. Zwergschnepfen ziehen offensichtlich regelmäßig in Lippe durch, werden aber - wen wundert es? - leicht übersehen. 

Perfekt getarnt - B. Brautlecht | Foto: F. Morgenstern
Unerreichtes Vorbild - die Zwergschnepfe | Foto: B. Brautlecht
Silberreiher | Foto: B. Brautlecht

Ornithologischer Sammelbericht 2009

2009 war das Jahr der Gefangenschaftsflüchtlinge. Mexikanische Hausgimpel, Kappensäger und Nachtreiher sorgten für Verwirrung und (teilweise) für Bestimmungsprobleme. Wer rechnet denn auch damit, diesen Exoten in Lippe zu begegnen? Und dann gab es natürlich auch Raritäten, die auf natürlichem Weg bei uns angekommen sind, aber vermutlich schon seit Jahren unbemerkt von der Mehrzahl der Ornithologen durchziehen. Es bedurfte schon der Beobachtungsgabe von Herrn Sandke, der uns mit dem Rotkehlpieper-Nachweis aus Cappel auf eine in unseren Listen bis dato nicht berücksichtigte Art hinwies. Die Recherche brachte es an den Tag. Der Rotkehlpieper zählt bereits nicht mehr zu den meldepflichtigen Arten – quasi fast schon ein Allerweltsvogel. Spannend sind auch die Entwicklungen beim Wespenbussard. Jahrelang ignoriert, mehren sich nun Angaben zu potentiellen Revieren.

Diese und viele andere interessanten Beobachtungen aus dem Mitarbeiterkreis sind in dem Bericht enthalten.