Jahresausklang 2019

Trauerenten und Prachttaucher am Schiedersee

Trauerenten auf dem Schiedersee | K. Höwing
Diesjähriger Prachttaucher am 18. Dez. 2019 auf dem Schiedersee | K. Höwing

Nachdem der Schiedersee im Winter 2011/2012 aufgrund spektakulärer Vogelnachweise vorübergehend zur Pilgerstätte für Ornithologen wurde (siehe hier),  war es in den vergangenen Jahren aus vogelkundlicher Sicht vergleichsweise ruhig an Lippes größtem Gewässer. Doch in diesem Jahr zeigten sich wiederholt seltene Wasservögel. So verweilten im März zwei Bergenten gute zwei Wochen in der Nähe des Freizeitzentrums und lockten etliche Ornithologen aus OWL hierher. 

Ende November gaben gleich drei Trauerenten einen Kurzbesuch. Es waren die ersten in Lippe gesichteten Exemplare seit über 80 Jahren. Damals war es üblich, Belegexemplare mit der Flinte zu erlegen - so 1911 und 1936 am Norderteich, dem damals größten Gewässer in Lippe.

Am 18. Dezember gab sich dann - leider nur für kurze Zeit - ein Prachttaucher die Ehre, der erste seit sieben Jahren. Großer Dank gebührt unserem unermüdlichen "Lokal-Orni" Klaus Höwing, der alle drei Seltenheiten entdeckte und mit Belegfotos dokumentieren konnte.

Sommer 2019

Zwei neue Brutvogelarten in Lippe!

Flussseeschwalbe | T. Garczorz
Flussseeschwalbe mit drei größeren Jungvögeln | H. Sonnenburg

Während die erst seit 2016 etablierte Lachmöwenkolonie an den Zuckerteichen in Lage in diesem Jahr verwaist war, tut sich bzgl. Bruten Möwenartiger wieder etwas im Kiesabbaugebiet der Lippischen Weseraue. Zu den seit Jahren immer wieder brütenden Sturmmöwen gesellen sich nun weitere Brutvogelarten: in diesem Jahr gab es erstmals Bruten der Silbermöwe und der Flussseeschwalbe. Seit Jahren zeichneten sich entsprechende Brutabsichten ab. In in diesem Jahr hat es endlich geklappt. Die Seeschwalben konnten auf einer Kiesinsel erfolgreich drei Junge großziehen. Wir danken Dieter Marten für seinen unermüdlichen Beobachtungseinsatz.

Stromabwärts, in den Kreisen Minden-Lübbecke und Nienburg, sind beide Arten seit Jahren als Brutvögel in der Weseraue bekannt. Stets handelt es sich bei den Brutstätten um störungsarme Bereiche in größeren Abbaugebieten.

 

 

April 2019

Ornithologischer Sammelbericht 2018 liegt vor

Spannende Beobachtungen vor Industriekulisse im Grenzgebiet Lippe / Minden-Lübbecke/ Herford
Raubwürger | J. Westphal
Gänsesäger, Zwergtaucher, Schellenten | R. Haase

Das Lippische Vogeljahr 2018 war reich an Besonderheiten, und wieder war es die Weseraue, die durch eine besondere Artenfülle und zahlreiche „Knaller“ hervorstach. Zu den dortigen Höhepunkten des Jahres zählen Löffler, Ohrentaucher und Regenbrachvogel. Die Seeadler zeigen mittlerweile eine verdächtige Dauerpräsenz, und mit den übersommernden Flussseeschwalben hat möglicherweise ein neuer Brutanwärter seinen Fuß in der Tür.

Die gut angenommenen gemeinsamen Exkursionen der Orni-AG erwiesen sich als echte Erfolgsveranstaltungen. So war ein Besuch der Weseraue am 25. Februar überaus ergiebig. Zwei Monate später konnten sich die begeisterten Teilnehmer auf der Kempener Hochfläche davon überzeugen, dass sich dieser lange Zeit eher vernachlässigte Bereich Lippes gut zur Vogelzugbeobachtung eignet.

Summa summarum ergibt sich mit 211 Taxa eine der höchsten jemals für Lippe verbuchten Gesamtartenzahlen. Das kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass abgesehen vom Rotmilan keine einzige Vogelart in Lippe hinsichtlich ihrer Verbreitung und ihres Brutbestandes als wirklich gut untersucht angesehen werden kann.
Wie in jedem Sammelbericht so liegen auch diesmal Freud und Leid dicht beieinander. Dass Turteltaube und Kiebitz sich nach und nach aus Lippe verab-schieden, haben wir bereits seit Jahren immer wieder thematisiert. Die Ergebnisse aus 2018 unter-mauern dies auf dramatische Weise. Lokal wurden auch beängstigende Rückgänge bei den Rauch- und Mehlschwalben dokumentiert.
Wir danken für Ihre Mitarbeit und wünschen Ihnen eine anregende Lektüre und spannende Beobachtungen in 2019

Januar 2019

Winterexkursion ein voller Erfolg

Spannende Beobachtungen vor Industriekulisse im Grenzgebiet Lippe / Minden-Lübbecke/ Herford
Raubwürger | J. Westphal
Gänsesäger, Zwergtaucher, Schellenten | R. Haase

20 hartgesottene Teilnehmer aus Lippe, Vlotho, ja sogar Gütersloh und dem Münsterland trafen sich am 27. Januar 2018 zur mittlerweile schon traditionellen Winter-Exkursion der Orni-AG an der Weser bei Stemmen. Das Wetter meinte es gut mit uns, so dass die Beobachtungsbedingungen unerwartet günstig waren, wenn auch die Sonne nicht zu sehen war. Gleich zu Beginn offenbarte uns der überwiegend zugefrorene Stemmer See neben zahlreichen Schwimmvogelarten das erste Highlight: eine Rohrdommel zeigte sich am Schilfrand und ließ sich durch´s Spektiv über eine längere Zeit beobachten.

Der zweite Brüller ließ nicht lange auf sich warten. Ein Seeadler-Pärchen - beide Partner ausgefärbt - drehte seine Runden und sorgte für Unruhe bei den Gänsen. Auch im weiteren Verlauf der Wanderung ließ sich das - hoffentlich brutwillige - Paar immer wieder mal blicken.

Auch der Raubwürger war wieder an seinem gewohnten Platz und ließ die Orni-Herzen höher schlagen. Daneben gab es eine breite Palette von Wasservögeln zu beobachten, unter denen Zwergsäger und balzende Schellenten besonders schön anzuschauen waren.

Und am entfernstesten Punkt der Wanderung gab es dank Dieter Marten ein bisschen Rindersafari! Endlich werden Teile der Weseraue durch eine Rinderherde beweidet - Hoffnung für noch mehr Strukturvielfalt im Gebiet. Alles in allem eine erfolgreiche Wanderung der Ornithologischen AG, die nebenbei viel Zeit für den persönlichen Austausch von Neuigkeiten aus der Vogelwelt ließ.

Endlich wieder Rinder am Herrengraben unterhalb des Abergs.