Mai 2020

Schwarzzügelibis am Schiedersee

Könnte als Touristenattraktion durchgehen... | F. Morgenstern
Als würde er hierhergehören - Schwarzzügelibis am Schiedersee | E. Püschl

Elke Püschl ist Ende April 2020 an drei Tagen hintereinander früh morgens mit dem Fahrrad um den Schiedersee gefahren. Jedes Mal hat sie an den Seeterrassen einen ihr unbekannten Vogel beobachten können. Der lange, gebogene Schnabel erinnerte sie an einen Großen Brachvogel, aber die Farben stimmten nicht, der Vogel wirkte viel zu „wuchtig“ und zeigte wenig Scheu. Das vierte Mal entschied sie sich, eine Kamera mitzunehmen – und sie hatte wieder Glück an derselben Stelle.

Frieder Morgenstern wurde hinzugezogen, um anhand der Fotos den merkwürdigen Vogel zu bestimmen. Der abwärtsgebogene Schnabel deutete bereits auf einen Ibis hin. Es handelt sich um einen Schwarzzügelibis, dessen Heimat Südamerika ist. Doch ist der Vogel kein Irrgast aus Übersee, sondern ein Gefangenschaftsflüchtling. Das ist anhand des blauen Farbringes mit der Aufschrift „14“ zu erkennen. Erkennungsmerkmale der Art sind der braun gefärbte Hals-/Brustbereich, die grauen Flügel, und ein schwarzer Bauch und Schwanz. Der nach unten gekrümmte Schnabel ist dunkelgrau, das Auge ist umrahmt von einem schwarzen Gesichtsfeld. Auch an der Kehle ist ein schwarzes Feld sichtbar.

In seiner südamerikanischen Heimat ist der Schwarzzügelibis vielerorts recht häufig.

Ob sich der „komische Vogel“ aktuell noch auf lippischem Gebiet aufhält, ist unklar. An seinem Fundort, dem Emmerufer an den Seeterrassen, war er gestern (2. Mai) nicht mehr auffindbar.Schon Anfang April wurden 2 Exemplare dieser Art bei Brevörde/Holzminden gemeldet, die sich dort mindestens eine Woche lang aufhielten. Es ist zu vermuten, dass einer der Vögel dann die 40 km nach Schieder weitergeflogen ist.

Immer wieder kommt es vor, dass Gefangenschaftsflüchtlinge in freier Wildbahn gesichtet werden. In der Gesamtartenliste der Vögel im Kreisgebiet Lippe, sind allein 20 solcher Exoten gelistet, vom Kanarienvogel über verschiedenste Papageien- und Sitticharten bis hin zum Wüstenbussard.

April 2020

Ornithologischer Sammelbericht 2019 liegt vor

Gänsegeier über Lemgo-Brake | F. Sonnenburg
Hausrotschwanz-Weibchen | H. Sonnenburg

Das Jahr 2019 war im Kreisgebiet aus ornithologischer Sicht herausragend. Es gab außergewöhnlich viele Meldungen seltener Arten. Ob Zwergschwäne, Steppenmöwe, Raubseeschwalbe, Kiebitzregenpfeifer und Schneeammer in der Weseraue, Uferschnepfen und Weißflügelseeschwalbe in der Rethlage oder Prachttaucher, Bergenten und Trauerenten am Schiedersee (um nur einige Besonderheiten zu nennen) - es verging kaum ein Monat ohne spannende Meldungen. Und auch der Sommer hatte einiges zu bieten: einem singenden Zwergschnäpper bei Barntrup folgten die Riesen: gleich zweimal wurden Gänsegeier über Lippe fotografisch dokumentiert.

Auch in der Brutvogelwelt tat sich einiges. Erstmals seit 2008 brütete wieder ein Austernfischer-Pärchen in der Weseraue. Im selben Gebiet gab es dann erstmals Bruten von Silbermöwen und Flussseeschwalben – beide Arten mit Bruterfolg.

Im „Binnenland“ gab es dank gezielter Hilfsmaßnahmen erneut zwei Weißstorch-Bruten von „Wildpaaren“, darunter erstmals seit langer Zeit in Hölsen. Beim Schwarzstorch hingegen zeichnet sich ein negativer Trend ab. Demgegenüber könnte sich der Wendehals als Klimagewinner erweisen. Wenngleich es sicherlich in den zurückliegenden Jahren schon vereinzelt Bruten in der Senne gegeben haben dürfte, so liegt nun endlich ein echter Brunachweis vor. Ebenfalls in der Senne mehren sich die Hinweise, dass Kraniche dort zumindest Brutabsichten zeigen.

Zunahmen hat es erfreulicherweise bei Kleinspecht, Feldschwirl und Schwarzkehlchen sowie zumindest lokal bei der Mehlschwalbe gegeben. Auch für die Nachtigall war es ein gutes Jahr. Dem stehen Rückgänge bei Turteltaube, Waldlaub­sänger, Saatkrähe, Wiesenpieper, Uferschwalbe, Neuntöter, Birkenzeisig und weiterhin beim Kiebitz gegenüber.

Diese und viele weitere Beobachtungen können Sie im diesmal reich mit Fotos ausgestatteten Sammelbericht 2019 in kommentierter Form nachlesen.