April 2014 - Altes Vorkommen der Wilden Tulpe in Lippe bestätigt

 

Wirklich wild?

Ende März 2014 bereits verblüht | Foto: M. Füller


Ihrer Herkunft entsprechend bevorzugt die Wilde Tulpe wärmebegünstigte Standorte mit basenreichen Kalk- und Lehmböden. Ihr Verbreitungsschwerpunkt liegt deshalb im Bereich extensiv genutzter Weinberge. In diesen Kulturlebensräumen konnte sich die Wildtulpe nur halten, weil sie dank der in ihren Zwiebeln gespeicherten Nährstoffvorräten zu den klassischen Frühblühern gehört. Bereits im März und April - vor der Bodenbearbeitung - liegt ihre Blütezeit. 

Trotz der Klimaerwärmung gehört Lippe (noch) nicht zu den klassischen Lebensräumen der Wildtulpe. Ihre Vorkommen in nördlichen Gegenden liegen zumeist im Umfeld alter Gärten, in denen diese schöne Tulpe kultiviert wurde. Die ersten Aufzeichnungen von Vorkommen dieser Art bei uns stammen aus dem Jahr 1873. Die Begründung der Bestände dürfte jedoch viel früher erfolgt sein, schließlich gehörte die Tulpe bereits im 17. Jahrhundert zu den besonders beliebten Pflanzen. Zwiebeln spektakulärer Zuchten wurden zeitweilig sogar an der Börse gehandelt.

Da sie auch geschützte, nicht zu raue Wälder und Gebüsche auf feuchten, nährstoffreichen Lösslehmböden besiedelt, konnte die Wilde Tulpe bei uns auch in der Nachbarschaft der Gärten oder auf wiederbewaldetem ehemaligem Kulturland bis heute überdauern. 

Weitgehend vergessen....

Deutlich zierlicher als unsere Zuchtsorten| Foto: M. Füller


Heute dominieren natürlich die auffälligen, industriell erzeugten Zuchtsorten der Tulpe. Und das ist auch gut so - besteht so doch die Gewähr, dass die einzige duftende Tulpe, weiterhin weitgehend unbemerkt bei uns vielleicht die nächsten 150 Jahre überdauern kann. 

Zusammen mit anderen ehemaligen Gartenflüchtlingen, die inzwischen zu festen Elementen unserer heimischen Flora geworden sind. Von den zahlreichen Vertretern dieser Gruppe seien hier für Lippe als weitere Arten nur Süßdolde und Immergrün erwähnt.

Foto: M. Füller