Haselmäuse - ein heimlicher Bilch an seiner nördlichen Verbreitungsgrenze

 

Haselmaus mit typisch gelbbrauner Färbung | Foto: Hermann Knüwer .
Der Einsatz von Haselmaustubes erleichtert den Nachweis des heimlichen Bilches | Foto: U. Hoffmann

Während die meisten Vogelarten tagaktiv sind und zudem durch auffällige Lautäußerungen auf sich aufmerksam machen, bleibt uns die Welt der Kleinsäuger meist verborgen. Die meisten Arten sind scheu und verlassen ihre Verstecke am ehesten nachts. Anhand von Zufallsfunden lassen sich keine klaren Verbreitungsbilder erstellen. Das gilt auch für die Haselmaus.

Am leichtesten nachweisen lässt sich dieser Bilch, der etwa die Größe einer Hausmaus hat, durch Kontrolle von Nisthilfen. Gerne werden Meisenkästen angenommen. Da Haselmäuse wie die verwandten Siebenschläfer von Oktober bis Mai Winterschlaf halten, kann ein Nistkasten, aus dem gerade die Meisenbrut ausgeflogen ist, anschließend von Bilchen übernommen werden.

Doch nicht überall hängen Nistkästen. Um die Nachweisquote zu erhöhen, kann man saisonweise sog. Haselmaustubes in geeignetem Gelände ausbringen. Aktuell führen wir entsprechende Kartierungen im lippischen Teil des FFH-Gebietes "Egge" durch.

Erfolgreicher Nachweis im NSG Egge Nord

Haselnuss-Strauch mit besetztem Haselmaus-Tube | Foto: H. Sonnenburg

Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. Mitte Juni wurde bei einer Kontrolle ein Haselmaus-Pärchen an einer solchen Nisthilfe beobachtet.

Somit gibt es endlich wieder einen aktuellen Nachweis im lippischen Egge-Gebiet. In der Literatur finden sich Hinweise, dass die Art hier schon vor Jahrzehnten bei gezielten Nachsuchen festgestellt wurde. Seither hat sich niemand mehr auf die Suche nach dem kleinen Bilch begeben.

Lebensraumansprüche und Biologie von Haselmäusen

Der Nachweis erfolgte in einem lockeren Gebüsch aus Ebereschen und Haselsträuchern. Die Nisthilfe war in einem Haselstrauch angebracht. Grundsätzlich können Haselmäuse aber sehr unterschiedliche Gehölzlebensräume besiedeln, insbesondere Wälder aller Typen und Altersstufen, aber auch Parklandschaften und Gebüsche. In Schieder wurde ein Nest in einem gehölzreichen Garten in Südhanglage gefunden. Im Teutoburger Wald wurden Haselmäuse vor allem in Buchenaltholzbeständen nachgewiesen.

Haselmäuse sind geschickte Kletterer. Im Sommer legen sie im Geäst von Sträuchern oder Bäumen oder in Baumhöhlen kunstvoll gefertigte Nester an. Die meist zwei Würfe pro Jahr können bis zu 9 Jungtiere umfassen.

Lippe liegt an der nordwestlichen Arealgrenze der Haselmaus. Der online geschaltete Atlas der Säugetiere Nordrhein-Westfalens veranschaulicht das interessante Verbreitungsbild der Art in NRW. Sie meidet in der Regel das Tiefland und besiedelt die collinen und montanen Gebiete. Im Kreisgebiet ist die Haselmaus aus dem Höhenzug Teutoburger Wald und Egge und dem Blomberger und Schwalenberger Wald bekannt.

Kletternde Haselmaus | Foto: Henning Vierhaus
Die Mühe hat sich gelohnt! Haselmaus im Eingang ihrer Haselmausbox | Foto: H. Sonnenburg