Mysteriös und ungefährlich – der Riesenweberknecht

 

Kleinere Ansammlung des Rieseweberknechts | Foto: F. Sonnenburg
Riesenweberknecht | Foto: D. Wolter

Der Riesenweberknecht (Leibonum sp.) hat seit der Erstentdeckung in den Niederlanden seit 2007 auch NRW erreicht und sorgte besonders im Ruhrgebiet für Schlagzeilen. Die Ausbreitung schreitet weiter voran und kann auf der Verbreitungskarte der Arachnologischen Gesellschaft verfolgt werden. Bis heute ist unklar, um welche Art es sich bei unserem mitteleuropäischen Neubürger eigentlich genau handelt. Fest steht nur, dass sie zuvor in Europa unbekannt war. In der Fachwelt läuft dieses vermutlich aus Afrika eingeschleppte mysteriöse Tier seitdem als Leiobonum spec. A – oder einfach Riesenweberknecht.

Riesenweberknechte sind, wie auch die heimischen Verwandten, für Menschen völlig harmlos. Sie besitzen weder Gift noch Stacheln und springen keine Menschen an.

Ein irreführender Name

Weberknechte, von denen weltweit bislang etwa 125 Arten beschrieben wurden, gehören zu den Spinnentieren. Der Name ist überaus irreführend, denn Weberknechte haben keine Spinndrüsen und weben somit keine Netze. Über den Namensursprung scheiden sich die Geister.  Abgerissene Gliedmaßen bewegen sich noch eine ganze Weile hin und her – womöglich erinnert das an das bald nach rechts, bald nach links fliegende Webschiffchen. Auch sollen in Webereien besonders viele Milben zu finden sein – eine gute Nahrungsgrundlage für Weberknechte, die sich demnach gleichermaßen dort wohl fühlen.

Merkmale

Typisch für Riesenweberknechte ist nicht nur die beachtliche Größe – die Beinspannweite kann ganze 18 cm erreichen, wobei der Rumpf „nur“ 4 bis 6,4 mm misst. Markant sind auch die hellen Gelenke der schwarzen Beine und insbesondere der grünlich-metallisch schimmernde Körper. Kennzeichnend ist auch der Hang zu Massenansammlungen von bis zu über 1000 Individuen, die tagsüber gemeinsam ruhen. Bei Störungen kann die ganze Gemeinschaft gemeinsam zu schwingen anfangen – eine Strategie zur Feindabwehr (schwingende Bewegungen gibt es aber auch bei heimischen, kleineren Arten). Nachts gehen die Tiere einzeln auf Nahrungssuche und stellen Spinnen, Weberknechten und Insekten nach.

In Lippe, wo es neben dem hier beschriebenen Fund in Heidenoldendorf nur eine verdächtige Sichtung in Leopoldshöhe gab, sind derlei große Ansammlungen bislang noch nicht bekannt geworden. Immerhin bestand die von Dennis Wolter festgestellte Gruppe aus 17 Individuen. Ob Riesenweberknechte hier wirklich heimisch werden, bleibt abzuwarten. Falls ja, werden sie am ehesten unter Brücken oder an anderen, regengeschützten menschlichen Bauwerken anzutreffen sein. Spannend und bislang nicht abschließend geklärt ist die Frage, ob von den Riesen eine Gefahr für heimische Tierarten ausgeht, indem diese entweder verdrängt oder als Beutetiere dezimiert werden.