Zwergfledermäuse auf Quartiersuche

 

Felsen in der Stadt

Große Fensterfronten können Fledermäuse anlocken...
Zwergfledermaus | B. Brautlecht

Große Gebäudefronten mit einer hohen Wärmeabstrahlung sind zeitweilig ideale Jagdbereiche für Zwergfledermäuse. Wenn sie dann noch zahlreiche Spaltenquartiere bieten, werden sie auch als sichere Verstecke am Tag genutzt. Normalerweise bekommen die menschlichen Bewohner hiervon gar nichts mit. Erst wenn ein Einflug in Wohn- und Arbeitsräume erfolgt, werden die ungebetenen Gäste bemerkt.

Aufgrund der bereits 2014 beschriebenen Lockwirkung der Kontaktrufe  im Quartier können diese Spätsommergemeinschaften zu größeren Gruppen anwachsen. Wenn dann die Einflüge geschlossen werden, weil es z.B. kälter wird, können die Fledermäuse nicht mehr hinaus. So erging es am ersten Augustwochenende auch 30-40 Zwergfledermäusen in der Fachhoschule Detmold. Durch irgendein Fenster eingeflogen, hatten sie sich tagsüber in einen Spalt im Treppenhaus zurückgezogen. Erst in Büros gefundene Einzeltiere und kleine Kotkrümel im Flur machten auf das Problem aufmerksam. Die versteckte Lebensweise der Fledermäuse bringt es mit sich, dass man sie kaum finden kann. Abgehängte Decken und sogar Spalten in Türschließern können als Verstecke dienen.

Rettung mit Hindernissen

Da das Tagesquartier der Schlafgemeinschaft schlecht zugänglich war, wurde in Absprache mit uns beschlossen, den abendlichen Ausflug abzuwarten und dann alle Fenster zu öffnen, damit die Zwergfledermäuse ihr unfreiwilliges, aber recht geräumiges "Gefängnis" wieder verlassen konnten.

Was dann folgte, war eine Lehrstunde zum Verhaltensrepertoire von Zwergfledermäusen. Die Fledermäuse dachten gar nicht daran nach draußen zu fliegen, sondern nutzten das geräumige Treppenhaus und die lange Flure als Jagdgebiet. Bei dem naturgemäß ausbleibendem Fangerfolg wechselten sie lediglich den Gebäudeflügel oder das Stockwerk. Erschwerend kam hinzu, dass sich die großen Fenster nicht ohne Weiteres öffnen ließen und nur die normalen Fenster auf den Fluren als Ausgänge verfügbar waren.

Erst durch das Schließen der Verbindungstüren konnten die Flugräume so verkleinert werden, dass ein großer Teil der Fledermäuse endlich nach draußen fand. Gegen 23.30 waren nur noch drei unbelehrbare übrig. Diese zogen sich zeitweilig bereits wieder in Spaltenquartiere zurück, wurden aber immer wieder aktiv. Da sie hierdurch aber bereits wieder von außen andere Zwerge anlockten, wurde die Aktion gegen Mitternacht abgebrochen und alle Fenster verschlossen.

Denn auch mit der Rückkehr der "befreiten" Fledermäuse musste gerechnet werden. Wenn der Bauch voll ist kehren sie möglicherweise genau in das Quartier zurück, aus dem sie gerade befreit wurden. In den Folgetagen wurden dann noch einzelne Fledermäuse gefunden - aber der Großteil war bereits befreit worden.

Kotbrocken verraten Hangplätze und bevorzugte Flugbereiche
Akrobatische Flieger | Foto: B. Brautlecht

Danke

Wir danken Frau Prof. Dr. Rode und Frau Thies für ihre Hilfe und die in den Nachtstunden investierte Zeit!! Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie hier.