Halbtrockenrasen im Trockenstress

 

Wie bereits der Name andeutet, sind die Pflanzen der Halb-Trockenrasen zwar an trockene Standorte angepasst, bei einer zu geringen Niederschlagsmenge geraten aber auch sie unter Trockenstress. Dies gilt insbesondere für die lippischen Ausbildungen dieser Pflanzengesellschaft. Hier wachsen über Muschelkalk oft Übergangsgesellschaften zu trockenen Glatthaferwiesen oder wärmeliebenden Saumgesellschaften. Wegen dieses Übergangscharakters sind die Gesellschaften oft artenreich - sie beherbergen aber auch Arten, die im zeitigen Frühjahr eine ausreichende Wasserversorgung benötigen.

Halbtrockenrasen im Juni 2019 | Fotos: M. Füller
Trockener Sommeraspekt

Orchideen als Zeigerarten

Große Waldhyazinthen wachsen derzeit nur an moderaten Standorten

Besonders auffällig ist in diesem Frühjahr der weitgehende Ausfall einiger Orchideen auf den extrem sonnenexponierten Standorten. Insbesondere Waldhyazinthe und Fuchs´Knabenkraut wurden nur noch in teilweise beschatteten Säumen gefunden.

Auch bei den noch vorhanden Pflanzen ist oft ein Zwergenwuchs und frühzeitiges Vertrocknen erkennbar. Ergänzend zu den erschwerten Lebensbedingungen auf exponierten Trockenstandorten hat sich möglicherweise auch ein fast schon vergessener Spätfrost in diesem Frühjahr negativ ausgewirkt.

Gewinner und Verlierer

Orchideen stehen in der Regel im Focus des Interesses. Viel gravierender sind jedoch andere Verschiebungen im Artenspektrum. Weil im letzten Sommer viele Gräser vertrocknet sind und in diesem Frühjahr kaum neu geschoben haben, fehlt den an Ihnen lebenden Halbschmarotzern die Versorgungsbasis. So zapfen der Kleine Klappertopf und Augentrost-Arten zur Sicherstellung ihrer Wasserversorgung die Wurzelleitungsbahnen von Gräsern an und sind entsprechend deutlich seltener geworden. Andere Arten, wie der Weidenblättrige Alant, erreichen deutlich geringere Wuchshöhen und vertrocknen frühzeitig.

Kleiner Klappertopf
Augentrost
Weidenblättriger Alant | Fotos: M. Füller

Schon beim Durchgehen fällt es auf. Die Halbtrockenrasen sind in diesem Jahr weniger dicht und wachsen nicht so hoch auf. Deshalb haben nun kleinere Pflanzen bessere Bedingungen - sofern sie mit dem Trockenstress klar kommen. Auch Halbsträucher, wie der Färberginster, haben mit ihrem dauerhaften Wurzelwerk offenbar eine bessere Strategie, die Wasserversorgung auch unter extrem Bedingungen sicherzustellen..

Färberginster
Der Hornklee ...
hat nun mehr Platz. | Fotos: M. Füller

Wie geht es weiter?

Das hängt natürlich von der weiteren Klimaentwicklung und zeitnah von der Niederschlagsverteilung dieses Sommers ab. Ausgesprochene Wäreme- und Trockenheitsspezialisten sind bereits auf dem Vormarsch nach Norden - sind aber in Lippe noch nicht angekommen.

Die Bienen-Ragwurz kommt mit der Trockenheit vergleichsweise gut zurecht. | Foto: R. Haase