
Hightech für die Artenvielfalt:
Kamerafallen des Projekts LEPMON im Kreis Lippe im Einsatz
Seit Sommer 2025 beteiligt sich die Biologische Station Lippe aktiv an dem Forschungsprojekt LEPMON – einem innovativen Vorhaben zur automatisierten Erfassung der Insekten-Artenvielfalt mithilfe moderner Kameratechnologie. Als Projektpartner freuen wir uns, nun eine der hochentwickelten Kamerafallen in unserer Region aufstellen und bis einschließlich 2027 testen zu können.
Doch was genau steckt hinter LEPMON? Und was können wir uns von der Kamerafalle erwarten?
Was ist LEPMON?
LEPMON steht für „LEPidoptera MONitoring“ – also die Erfassung von Schmetterlingen bzw. Nachtfaltern und anderen Insekten durch automatisierte, technische Systeme. Ziel des Projekts ist es, ein neues, standardisiertes Monitoringverfahren zu entwickeln, das es erlaubt, Veränderungen in der Insektenfauna kontinuierlich, flächendeckend und vergleichbar zu erfassen. Dabei geht es nicht nur um die reine Dokumentation von Arten, sondern auch um die Analyse ökologischer Zusammenhänge und die Bewertung des Zustands unserer Ökosysteme.
Träger des Projekts ist ein deutschlandweites Konsortium aus Forschungseinrichtungen, Naturschutzorganisationen und regionalen Partnern. Gefördert wird LEPMON im Rahmen des Bundesprogramms „Biologische Vielfalt“.
Zu dem Projekt und dem Einsatz im Kreis Lippe gibt es am 09. Oktober diesen Jahres einen Vortrag im Rahmen unseres Jahresprogramms im Repair-Café in Lage, Hardisser Straße 2b. Weitere Informationen zum Projekt und dem Hintergrund finden Sie auch bereits jetzt auf der entsprechenden Projekt-Homepage.
Die Kamerafalle – wie funktioniert sie?
Im Zentrum der Datenerhebung stehen speziell entwickelte Kamerafallen, die während der Saison (April – Oktober) Nacht für Nacht im Einsatz sind. Diese Fallen sind weit mehr als einfache Fotofallen: Sie kombinieren Beleuchtung, Bildverarbeitung, Sensorik (z.B. Helligkeit, Temperatur und Feuchtigkeit) und künstliche Intelligenz, um vorbeifliegende Insekten – insbesondere Nachtfalter – zu fotografieren und automatisch zu bestimmen.
Dabei werden von einem UV-beleuchteten Schirm (UV-Licht wirkt nachweislich anziehend auf Nachfalter) alle zwei Minuten Fotos gemacht – das Ergebnis sind unzählige Bildserien, die den Aktivitätsverlauf der Arten über Nacht, sowie über die gesamte Saison abbilden. Die Falle wird über ein Solarmodul und eine Batterie mit Strom versorgt, sodass sie auch in abgelegenen Bereichen eingesetzt werden kann.



Einsatz in unserem Kreis
Die Kamerafalle im Kreis Lippe wurde im August 2025 installiert und wird nun über einen Zeitraum von zweieinhalb Jahren betrieben. Der genaue Standort der Falle bleibt natürlich geheim… 😉
Unsere Rolle als Partner besteht darin, den Betrieb der Falle vor Ort zu unterstützen, die Umgebung im Blick zu behalten und bei Bedarf Wartungsarbeiten durchzuführen. Die wissenschaftliche Auswertung der Daten erfolgt bilateral durch uns, sowie das LEPMON-Team bzw. die KI.
Warum ist ein solches Projekt wichtig?
Insekten sind ein unverzichtbarer Bestandteil unserer Ökosysteme. Sie bestäuben Pflanzen, dienen als Nahrung für Vögel und andere Tiere, sind natürliche Schädlingsbekämpfer und tragen zur Erhaltung gesunder Böden und Ökosysteme bei. Doch in den letzten Jahrzehnten sind ihre Bestände stark zurückgegangen – Stichwort „Insektensterben“.
Mit Projekten wie LEPMON wird es möglich, belastbare Langzeitdaten zu diesem Rückgang und anderen Populationsdynamiken zu sammeln, Ursachen besser zu verstehen und gezielte Schutzmaßnahmen zu entwickeln. Die Kombination aus Technologie und Naturschutz ist dabei ein vielversprechender Ansatz, um Monitoring flächendeckend, effizient und langfristig umzusetzen.
Solche Fallentypen sollen und können herkömmliche Methoden, wie den manuellen Fang, natürlich nicht ersetzten. Vielmehr sollen sie zusätzliche Erkenntnisse liefern, die auf der Kontinuität und schieren Masse der Daten basieren.
Ausblick
Bis 2027 wird die Kamerafalle bei uns im Dauereinsatz sein. Wir hoffen, dass sie spannende Erkenntnisse über die lokale Insektenwelt liefert und gleichzeitig zur Weiterentwicklung dieser vielversprechenden Technologie beiträgt. Nach Abschluss der Testphase sollen die Systeme perspektivisch bundesweit in der breiten Masse zum Einsatz kommen – etwa im Rahmen von Biodiversitätsmonitoring, Landschaftsplanung und Umweltbildung.
Wir sind stolz, Teil dieses zukunftsweisenden Projekts zu sein – und freuen uns, die Entwicklung in den kommenden Jahren mitzugestalten und mitzuerleben.
