Drei LEPMON-Kamerafallen unterstützen die Schmetterlingsforschung im Schwalenberger Wald

 

Mit drei zusätzlichen Citizen-Science-Kamerafallen des Projekts LEPMON kann die Erfassung der Schmetterlingsfauna in den FFH- und Naturschutzgebieten Schwalenberger Wald und Salkenbruch deutlich erleichtert und unterstützt werden. Die Geräte sollen helfen, mehr über die bislang kaum erforschte Schmetterlingswelt der Gebiete zu erfahren.

Der Schwalenberger Wald und der angrenzende Salkenbruch gehören zu den naturschutzfachlich besonders wertvollen Landschaftsräumen im Kreis Lippe. Doch obwohl hier zahlreiche seltene und gefährdete Tier- und Pflanzenarten vorkommen, ist über die Schmetterlingsfauna der beiden Gebiete bislang nur sehr wenig bekannt. Publikationen zur Tag- und Nachtfalterfauna des Schwalenberger Waldes und des Salkenbruchs gibt es bislang nicht.

Das soll sich ändern.

 

Systematische Erfassung bis 2028

Seit 2025 wird die Groß-Schmetterlingsfauna im Salkenbruch von dem ehrenamtlichen Entomologen Michael Derra systematisch untersucht. Dazu werden unter anderem in der Aue des Steinbachs regelmäßig Nachtfalter durch UV-Licht angelockt und anschließend bestimmt. In den kommenden Jahren soll die Untersuchung auf den Schwalenberger Wald ausgeweitet werden.

Insgesamt sind rund neun repräsentative Leuchtstandorte vorgesehen. Die Erfassung soll spätestens 2028 abgeschlossen sein. Ziel ist es, ein möglichst umfassendes Bild der vorkommenden Tag- und Nachtfalterarten zu erhalten und dabei auch seltene oder bislang übersehene Arten aufzuspüren.

Eine besondere Unterstützung leisten dabei nun drei Kamerafallen des Projekts LEPMON. Die modernen Geräte ermöglichen eine kontinuierliche Beobachtung und ergänzen die klassische, punktuelle Erfassung durch Lichtbeobachtungen am Leuchtturm.

 

Wertvolle Lebensräume für seltene Arten

Der Schwalenberger Wald ist aufgrund seiner Größe und seiner großflächigen, repräsentativen Buchenwälder von internationaler Bedeutung. Hier kommen sowohl Waldmeister-Buchenwälder auf basenreichen als auch Hainsimsen-Buchenwälder auf basenarmen Standorten vor. Je nach den kleinräumigen Bedingungen verändert sich die Artenzusammensetzung.

Im Zentrum des Waldgebietes liegt das „Mörth“, ein ehemaliger Moorbereich auf einer Hochfläche, der heute überwiegend von Fichtenforsten geprägt ist. Hier konnten unter anderem Kammmolch, Geburtshelferkröte und Große Moosjungfer nachgewiesen werden. Auch für Vögel besitzt der Schwalenberger Wald eine große Bedeutung: Der Waldkomplex ist Brutgebiet des Schwarzstorches, außerdem wurden mehrere Brutreviere des Mittelspechts bestätigt. Hinzu kommen der Hirschkäfer sowie zahlreiche gefährdete Tagfalter- und Libellenarten.

Der Salkenbruch stellt innerhalb des Lipper Berglandes eine besondere Rarität dar. Eine offene Grünlandbachaue liegt hier eingebettet in ein abgeschiedenes Waldgebiet. Das große Quellgebiet zeichnet sich durch eine strukturreiche Feuchtgrünlandaue mit typischen Hochstaudenfluren und alte Waldbestände aus. Besonders wertvoll sind die bachbegleitenden Erlen-Eschen-Auenwälder sowie Hainsimsen- und Waldmeister-Buchenwälder.

 

Überraschende Funde bereits im ersten Untersuchungsjahr

Dass die systematische Suche lohnenswert ist, zeigte sich bereits 2025. Im Salkenbruch konnten unter anderem der Mädesüß-Perlmuttfalter (Brenthis ino) nachgewiesen werden, der im Kreis Lippe nur lokal vorkommt.

Besonders bemerkenswert waren zudem zwei Nachtfalterfunde: Die Adlerfarneule (Callopistria juventina) konnte nach mehr als 90 Jahren erstmals wieder im Weserbergland nachgewiesen werden. Der Gesprenkelte Pappelspanner (Stegania cararia) war sogar ein Neufund für das Weserbergland.

Solche Nachweise zeigen, welches Potenzial in den bislang nur wenig untersuchten Lebensräumen steckt. Die zusätzlichen Kamerafallen erleichtern die Datenaufnahme natürlich enorm. Da sie zudem jede Nacht Fotos aufnehmen, produzieren sie sehr wertvolle und aussagekräftige Langzeitdatensätze.

Weitere Details zu dem Projekt LEPMON und den automatisierten Kamerafallen finden Sie hier auf der Homepage des Projekts.

 

Ehrenamtliche Forschung für den Naturschutz

Durchgeführt wird die Schmetterlingserfassung von Michael Derra, einem ehrenamtlichen Entomologen mit langjähriger Erfahrung in der Untersuchung von Tag- und Nachtfaltern. Er ist seit vielen Jahren Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Rheinisch-Westfälischer Entomologen und war unter anderem an der Erstellung der Roten Listen für Schmetterlinge in Nordrhein-Westfalen beteiligt.

Seit vier Jahren arbeitet er eng mit der Biologischen Station Lippe zusammen. Die Untersuchungen im Schwalenberger Wald und Salkenbruch erfolgen in Abstimmung mit der Biologischen Station Lippe und der Forstbehörde.

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