Gemeinsam für den Erhalt alter Streuobstwiesen im Kreis Lippe

Alte Obstbäume – ökologisch besonders wertvoll

Erst alte und große Obstbäume entfalten das volle ökologische Potenzial einer Streuobstwiese. Höhlen in alten Stämmen dienen Vögeln, Fledermäusen oder Hornissen als Nist- und Rückzugsorte, während Totholz zahlreichen Insekten Lebensraum bietet. Damit Obstbäume jedoch ein hohes Alter erreichen können, benötigen sie regelmäßige und fachgerechte Pflege.

Besonders die Pflege großer Altbäume stellt Ehrenamtliche vor große Herausforderungen. Arbeiten in hohen Kronen oder die Sanierung beschädigter Starkäste erfordern Erfahrung, spezielle Sicherungstechniken und einen erheblichen Zeitaufwand. Deshalb bleiben Altbäume vielerorts unzureichend gepflegt.

Ein gemeinsames Projekt für den Altbaumbestand

Gemeinsam mit dem BUND Lemgo wurden deshalb vier besonders wertvolle Streuobstwiesen im Raum Detmold und Lemgo in den Fokus genommen: an der Jugendherberge Detmold, auf dem alten Friedhof Heidenoldendorf, in Lemgo am Schloss Brake sowie in Kirchheide.

Auf den Flächen stehen insgesamt über 500 Obstbäume, darunter rund 350 Altbäume. Nach einer fachlichen Bestandsaufnahme wurde deutlich, dass etwa 50 bis 100 Bäume dringend sanierungsbedürftig waren.

Um die notwendigen Maßnahmen finanzieren zu können, wandte sich die Biologische Station Lippe Ende 2023 mit einer Projektskizze an den Lions Club Detmold. Die Resonanz war überwältigend: Die Lions Clubs Detmold und Detmold Residenz organisierten im April 2024 im Landestheater Detmold ein Benefizkonzert unter dem Titel „Rossini – Klassisch und Jazzig“.

Der Erlös dieses besonderen Konzertabends ermöglichte schließlich die Umsetzung des Projektes. Insgesamt wurden 14.000 Euro für die Sanierung des Altbaumbestandes bereitgestellt.

Fachgerechte Pflege für 95 Altbäume

In den Winterhalbjahren 2024/25 und 2025/26 konnten die geplanten Maßnahmen umgesetzt werden. Mit Hilfe geschulter Fachkräfte, unterstützt durch Klettertechnik und Seilsicherung, erhielten insgesamt 95 Altbäume einen fachgerechten Pflegeschnitt.

Besonders wichtig war dabei die nachhaltige Betreuung der Bäume: Viele Altbäume reagieren auf einen ersten stärkeren Rückschnitt mit neuem Austrieb und benötigen deshalb im Folgejahr einen weiteren Pflegeschnitt.

Auch das Ehrenamt war erneut unverzichtbar. Gemeinsam mit der Biologischen Station Lippe wurde das anfallende Schnittgut direkt auf den Wiesen gehäckselt und verarbeitet.

Ein Beitrag zum langfristigen Erhalt der Streuobstwiesen

Dank des Projektes konnten wertvolle Altbaumbestände langfristig gesichert und in ihrer Vitalität gestärkt werden. Gleichzeitig soll das Projekt auch das Bewusstsein dafür schärfen, dass der Erhalt von Streuobstwiesen weit über das Pflanzen neuer Obstbäume hinausgeht. Entscheidend ist die dauerhafte Pflege der Bestände – besonders der alten Bäume.

Mit dem Ausbau des Streuobstwiesen-Netzwerkes, Lehrgängen zur Obstwiesenpflege sowie der Unterstützung zahlreicher Ehrenamtlicher leisten die Beteiligten einen wichtigen Beitrag zum langfristigen Erhalt der lippischen Streuobstwiesen.

Das Projekt „Lebendige Landschaft Streuobstwiese“ wird vom LWL Naturfonds gefördert.

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