Nistplatz für den Wanderfalken

Erfolgreicher Schutz durch Zusammenarbeit
Im Sturzflug erreicht er Geschwindigkeiten von über 300 km/h und hat eine etwa fünfmal höhere Sehschärfe als der Mensch - der Wanderfalke (Falco peregrinus) gehört zweifelsohne zu den eindrucksvollsten Greifvögeln unserer Region. Als Brutvogel ist er im Kreis Lippe jedoch selten anzutreffen, aktuell brüten hier drei bis vier Paare. Umso bedeutender ist jeder einzelne Brutplatz für den Erhalt der lokalen Population.
Verlust des Brutplatzes – schnelles Handeln gefragt
An einem Standort im Kreis Lippe ging kürzlich ein Brutplatz des Wanderfalken verloren. Durch einen Hinweis aus dem Ehrenamt konnte frühzeitig reagiert werden. Ziel war es, dem betroffenen Brutpaar in der näheren Umgebung eine geeignete Alternative zu bieten, um eine Abwanderung zu verhindern. In enger Zusammenarbeit mit der Unteren Naturschutzbehörde, dem NABU Lemgo der TH OWL und finanzieller Unterstützung der Staff Stiftung, konnten wir kurzfristig einen neuen Nistkasten bauen und installieren. Der Ersatzstandort befindet sich in der Nähe des ehemaligen Brutplatzes, sodass die Wanderfalken den neuen Nistplatz hoffentlich annehmen und ihr Revier erhalten können.

Warum der Wanderfalke fast ausgestorben war
Der Wanderfalke galt in Deutschland in den 1960er- und 1970er-Jahren nahezu als ausgestorben. Hauptursache war der großflächige Einsatz langlebiger Pestizide wie DDT. Diese reichern sich über die Nahrungskette im Körper der Vögel an und führten zu einer erhöhten Zerbrechlichkeit der Eischalen. Erst das Verbot dieser Stoffe, konsequenter Schutz und gezielte Wiederansiedlungsmaßnahmen ermöglichten eine Erholung des Bestandes. Heute Brüten in NRW wieder über 250 Wanderfalken.
Welche Bedingungen Wanderfalken zum Brüten benötigen
Wanderfalken stellen sehr spezifische Ansprüche an ihre Brutplätze:
- Erhöhte, sichere Standorte: Natürliche Felswände oder hohe Bauwerke wie Türme, Schornsteine oder Industriegebäude bieten Schutz vor Bodenfeinden.
- Geringe Störung: Ruhe während der Brutzeit ist entscheidend, da Wanderfalken empfindlich auf wiederholte Störungen reagieren.
- Freier Anflug und gute Übersicht: Offene Flugräume erleichtern Jagd und Revierkontrolle.
Ausreichendes Nahrungsangebot: Eine stabile Population an Beutevögeln als Voraussetzung den Bruterfolg.
Fazit
Der aktuelle Fall zeigt, wie wichtig die Zusammenarbeit verschiedener Institutionen und funktionierende Netzwerke im Naturschutz sind. Wir danken allen Projektpartner für die schnelle und unkomplizierte Zusammenarbeit und hoffen, dass der neue Brutplatz von dem Revierpaar angenommen wird und wir auf diese Weise gemeinsam einen Beitrag zum Erhalt dieser faszinierenden Art im Kreis Lippe leisten konnten.