Die Zeit bleibt nicht stehen

Rund 30 Jahre nach Einstellung des Panzer-Übungsbetriebes auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz am Biesterberg sind die Spuren der ehemaligen Nutzung weitgehend verschwunden. Nachdem die gröbsten Schäden noch von den Briten durch Verfüllen und Nivellieren des Geländes beseitigt wurden, hat inzwischen die Natur die letzten Zeichen überwuchert.

Überwuchert - ein Warnschild an der ehemaligen Grenze des TÜP
Eine der letzten, von Panzern geschaffene, mit Wasser gefüllte Mulde

Verdrängung von Arten

Im Laufe der Zeit wurden die Rohbödenflächen wieder von Pflanzen besiedelt. Zuerst kamen genügsame, oft sehr kleine Arten. Mit zunehmender Bodenbildung folgten Arten, die sich über Ausläufer verbreiten und dichtere Bestände bilden können. Gräser kamen hinzu und schließlich konnten sich nur noch hochwüchsige Saumarten durchsetzen. Die Verlierer dieser Entwicklung sind die konkurrenz-
schwachen Pionierarten der ersten Stunde. 

Inzwischen weitgehend verbuschte Mergelgrube | Foto: H. Retzlaff
Rohböden sind nur noch kleinflächig vorhanden
Der Steinquendel wird verdrängt | Fotos: M. Füller
Echtes Tännelkraut| Foto: H. Brinkmann

Gesucht wird...

Im Jahr 2000 wurde von Hans Retzlaff zusammen mit anderen seltenen Ackerwildkräutern das Echte Tännelkraut auf einer frischen Rohbodenfläche am Biesterberg entdeckt. Möglicherweise war hier noch altes Samenpotential erhalten geblieben. Leider sind die seltenen, überwiegend gefährdeten Pflanzen inzwischen wieder verschwunden.

Geplante Zerstörung

Zur Förderung der Pionierarten früher Rohbodenstadien wurden deshalb am Biesterberg von der Staff Stiftung Lemgo in Zusammenarbeit mit der Biologischen Station Lippe an verschiedenen Stellen kleinflächige Bodenverwundungen durchgeführt. Durch die Zerstörung der Grasnarbe und die Entfernung des Oberbodens sollen konkurrenzschwache Arten gefördert werden. Was früher die Panzerfahrer unbeabsichtigt erzeugten wird heute geplant. Der ersten im Jahr 2010 freigeschobenen Fläche folgten im Jahr 2013 drei weitere Versuche an unterschiedlichen Standorten.

Herr Begemann bei der Arbeit
Platz für Spezialisten - wer wohl erscheint?
Rohbodenfläche nach einem Jahr
im zweiten Jahr schließt sich die Vegetationsdecke

Die Natur heilt (fast) alle Wunden...

Pflanzengemeinschaften, die Verwundungen der Vegetationsdecke und des Bodens wieder schließen, werden als Heilgesellschaften bezeichnet. Der Name weist daraufhin, dass es sich hier um einen natürlichen Vorgang handelt. Anders ausgedrückt: auch Naturschutzgebiete altern und verändern sich. Wenn man einen bestimmten Zustand erhalten will, dann muss man dagegen anarbeiten.

Letztlich ist auch die extensive Grünlandbewirtschaftung nichts anderes, als ein wiederholter Eingriff zum Erhalt eines bestimmten Entwicklungsstadiums. Zum Beweis, dass auch dies sinnvoll ist, zum Abschluss noch zwei Bilder. Es ist eben alles eine Frage der Balance.

Magerrasen am Biesterberg mit geschlossener Vegetationsdecke
Dornige Hauhechel - durch Beweidung gefördert | Fotos: M. Füller

Danksagung

Wir danken der Staff Stiftung Lemgo und Herrn Begemann für die Durchführung dieses Experimentes und sind gespannt, ob und welche Pflanzen wir auf den geschaffenen Sonderstandorten finden werden