Altwasser-Management in der Emmeraue

Intakte Altwässer sind artenreiche Lebensräume.
Spätes Verlandungsstadium | Fotos: M. Füller

Altwässer entstehen bei der Verlagerung von Flußläufen. Durch die Regulierung unserer Flüsse sind diese für naturnahe Auen typischen Lebensräume weitgehend verschwunden. Da sie aufgrund der fehlenden Dynamik in unseren Flußlandschaften nicht mehr neu entstehen, weisen nur rudimentäre Reste auf ihre ehemalige Verbreitung hin.

Zu den wertvollsten Teilen des NSG Emmertal gehört ein Grünlandkomplex, der beim Bau der Bahnlinie Hannover-Altenbeken (1870-72) von der Emmeraue abgeschnitten wurde. Damals wurde die Emmer auf die südlich der Bahntrasse liegende Auenseite verlegt. Das Umfeld des alten Emmerflussbettes ist bis heute ein besonders arten- und strukturreicher Lebensraum, der aber durch Abtrocknung und Verlandung zunehmend gefährdet ist.

Deshalb hat die Biologische Station Lippe in den letzten 25 Jahren - unterstützt durch die Bezirksregierung Detmold,  den Kreis Lippe und die Adolf-Deppe-Stiftung -  verschiedene Abschnitte dieses Altwassers saniert und so wieder Lebensräume für Besiedler von jungen Entwicklungsstadien dieser wertvollen Biotope geschaffen.

Nur im Luftbild ist das ehemalige Emmerflussbett noch deutlich sichtbar. Dargestellt sind die Sanierungsbereiche der Jahre 1994, 2012, 2015 und 2021.

Der Beginn

1994 wurde mit Mitteln des Kreises Lippe auf vom Land NRW angekauften Flächen der erste 140 m lange Abschnitt das ursprüngliche Flussbettes wieder entschlammt und die in 121 Jahren abgelagerten Sedimentschichten bis in Höhe der alten Flusskiesschichten entfernt. In der Folge entstand hier einer der größten Amphibien-Laichplätze der Emmeraue sowie eine besondere Stillwasserlebensgemeinschaft mit zahlreichen Libellen und jahrweise wechselnden Blühaspekten von Wasser- und Sumpfpflanzen. Ein besonderer Erfolg war die Rückkehr des Kammmolches in die Emmeraue.

Profilierung des alten Flussbettes
Klarwasserstadium 1998
Erdkröten-Laichgesellschaft | Fotos: M. Füller
Kammolch | Foto: B. Brautlecht

Die Zeit bleibt nicht stehen.....

Altwässer wachsen ohne regelmäßige Durchströmung sehr schnell zu. Da mit zunehmender Faulschlammbildung anspruchsvolle Arten verschwanden, wurde im Jahr 2012 mit Mitteln der Adolf-Deppe-Stiftung in unmittelbarer Nachbarschaft zu dem optimierten Bereich ein weiterer 50 Meter langer Abschnitt saniert.

Erweiterung 2012
Zustand im Jahr 2014| Fotos: M. Füller

2015 - erster Sanierungsbereich südlich der Bahnlinie

Saniertes Emmer-Altwasser | Foto: M. Füller

2015 wurde erstmals ein nicht durch den Bahndamm von der Emmeraue abgetrenntes Altwasser saniert. Hierbei wurde eine unversehrte Schicht wasserstauender Sedimente erhalten, weil die Altwässer der Emmeraue heute deutlich über dem Mittelwasserspiegel der stark eingetieften Emmer liegen. Da nur bei außergewöhnlichen Hochwässern eine zusätzliche Vernässung erfolgt, müssen in den Zwischenphasen die lehmigen, den Untergrund abdichtenden Schichten im alten Flussbett ein vorzeitiges Austrocknen verhindern.

Nur bei stärkeren Hochwässern erfolgt eine kurzfristige Durchströmung der Altwasser. Foto: M.Füller

2021 - alles auf Anfang

Immer wieder muss der Bagger gegen die Verlandungsprozesse anarbeiten. | Foto: M. Füller

Im Zuge des Klimawandels und der extrem trockenen letzten Jahre hat sich die Geschwindigkeit der Verlandung der Emmer-Altwasser extrem beschleunigt. Lebensräume, die über 100 Jahre allmählich verlandet sind, verschwinden gegenwärtig bereits nach weniger als 30 Jahren. 

Zur mittelfristigen Erhaltung der Kammmolch-Population in der Emmeraue musste deshalb der Maßnahmebereich des Jahres 1994 im Jahr 2021 erneut saniert werden.

Diese wiederkehrenden Maßnahmen sind der Preis, den wir für die Entwässerung und Regulierung unserer Auen zahlen müssen. Die im Frühjahr dramatisch absinkenden Grundwasserstände stellen inzwischen eine akute Bedrohung der letzten Amphibien-Laichplätze in der Emmeraue dar.

Nähere Informationen zur Sanierungsmaßnahme des Jahres 2021 erhalten Sie hier.