Was ist ein Niederwald?

Unsere Vorstellung, wie ein Wald auszusehen hat, ist von den heutigen Buchen-Hallenwäldern geprägt. Wegen der erreichten Wuchshöhen werden diese Wirtschaftswälder als Hochwälder bezeichnet. Allenfalls die Bilder der Landschaftsmaler des 18. und 19. Jahrhunderts zeigen, dass Wälder früher oft ganz anders ausgesehen haben. Aber so weit müssen wir gar nicht zurückgehen. Bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts war in Lippe noch ein völlig anderer Waldtypus weit verbreitet: der Niederwald. 

Hier wurde in regelmäßigen Abständen - etwa alle 10-20 Jahre - Holz geschlagen, das überwiegend als Brennholz genutzt oder in Meilern zu Holzkohle verarbeitet wurde. Wie bei der Heckenpflege entwickelten sich am Stammrest oder im Wurzelbereich der gefällten Bäumchen zahlreiche Stockausschläge. Da die Ausschlagfähigkeit der einzelnen Gehölze unterschiedlich ist, veränderte sich durch jahrhundertelange Nutzung die Baumartenzusammensetzung. Neben der Hasel waren in den Niederwäldern Hainbuche, Trauben- und Stieleiche besonders verbreitet.

Zur Deckung des gewaltigen Brennholzbedarfes waren Niederwälder früher weit verbreitet. Noch 1925 werden für Westfalen und Lippe 110 000 ha angegeben. Mit dem unaufhaltsamen Siegeszug von Steinkohle und Erdöl wurden jedoch innerhalb weniger Generationen fast alle Niederwälder in Lippe in Wertholz produzierende Hochwälder umgewandelt. Lediglich auf forstwirtschaftlich uninteressanten Standorten blieben letzte Niederwaldreste erhalten, die aber aufgrund der fehlenden Nutzung zunehmend ihren spezifischen Charakter verlieren.

Niederwald NSG Rinnenberg
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