Stillgewässer im Schwalenberger Wald - wertvolle Lebensräume

Aufgrund der hohen Niederschläge und stauenden Tonschichten bieten die plateauartigen, über 400 müNN liegenden Kuppen des Schwalenberger Waldes ideale Bedingungen zur Anlage von Teichen. Spätestens mit dem Betrieb einer Ziegelei auf dem Mörth (1790 bis 1850) dürften in abgegrabenen Tonkuhlen und kleinen Torfstichen zunehmend Kleingewässer entstanden sein.

Überall auf dem Mörth sammelt sich in Fahrspuren und Mulden Wasser
1977 vom Landesverband Lippe angelegter Artenschutzteich

Himmelsteiche....

Kleingewässer, 2006 angelegt
Neuer Teich bei Waidmannsheil 2014

..werden ausschließlich durch Regenwasser gespeist. Sie haben keine Zuflüsse und sind deshalb - abgesehen von den durch Luftverschmutzung verursachten Einträgen - in der Regel nährstoffarm. Charakteristisch für die basenarmen Ton-Sandstein-Böden des Mörthes sind nährstoffarme Stillgewässer mit dunklem, huminstoffreichem, saurem Wasser.

Zu den ältesten Stillgewässern gehört der 1954 angelegte und nach einem Dammbruch 1989 wiederhergestellte Seerosenteich. Nachdem die Forstabteilung des Landesverbandes Lippe 1977 im östlichen Kuppenbereich des Mörthes drei Artenschutzgewässer angelegt hatte, erfolgt seit 1996 in Zusammenarbeit von Landesverband Lippe, Kreis Lippe, Naturpark Teutoburger Wald, Adolf-Deppe Stiftung und Biologischer Station Lippe mit Unterstützung des Landes (BR Detmold) eine stetige Verdichtung des Gewässernetzes.

So konnte in den letzten Jahrzehnten eine große Bandbreite in Struktur und Alter stark differierender Gewässertypen auf dem Mörth geschaffen werden.

Lebensräume für Molche und Libellen

In den fischfreien Gewässern des Mörthes lebt eine der höchstgelegenen Populationen des Kammmolches in NRW. Auf einer Fläche von weniger als 60 ha wurden im Jahr 2014 mehr als 187 Individuen nachgewiesen. Eine Vorstellung von der Größe anderer Amphibienpopulationen gibt die hier für den Fadenmolch ermittelte Zahl von über 11.200 Individuen (BioPlan 2014).

Aufgrund der Strukturvielfalt der Gewässer kommen hier 22 Libellenarten vor. Für 16 dieser Arten ist eine Reproduktion sicher nachgewiesen worden. Bei weiteren 4 Arten ist dies wahrscheinlich. Von den im Weserbergland zu erwartenden moortypischen Arten fehlt lediglich die Arktische Smaragdlibelle. Besonders hervorzuheben ist eines der größen Vorkommen der bundesweit stark gefährdeten und landesweit vom Aussterben bedrohten Großen Moosjungfer in NRW.

Da anmoorige, nährstoffarme Gewässer landesweit immer seltener werden, haben die Teiche auf dem Mörth eine überregionale Bedeutung.

Kammmolch | Foto: T. Schubert
Große Moosjungfer | Foto: M. Füller

Was sind FFH-Arten?

Nach der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie der EU muss jedes Mitgliedsland die Erhaltung der bei ihm vorkommenden Lebensräume sowie der Tier- und Pflanzenarten von gemeinschaftlichen Interesse gewährleisten. Zu den besonders geschützten Arten gehören u.a. Kammmolch und Große Moosjungfer. Zur Erhaltung ihrer Populationen im Schwalenberger Wald sind deshalb besondere Maßnahmen zu ergreifen.

Notwendigkeit eines Gewässermanagementes

Die Lebensdauer von Stillgewässern ist begrenzt. Trotz der günstigen Bedingungen auf dem Mörth wachsen auch die Himmelsteiche im Laufe der Jahre allmählich zu und verlanden. Dieser Prozess wird durch den Klimawandel (höhere Verdunstung, weniger Niederschläge im Sommer) zunehmend beschleunigt. Zur Erhaltung dieser Lebensräume müssen deshalb immer wieder verlandende Gewässer saniert und/oder das bestehende Gewässernetz durch Anlage neuer Mulden verdichtet werden.

Da Kammmolche sich nicht mehr als 1 km von ihrem Laichplatz entfernen, ist nur hierdurch ein Austausch und eine Besiedelung neuer Lebensräume möglich. Die Erfahrung zeigt, dass neue Gewässer auf dem Mörth nach etwa 4-6 Jahren besiedelt werden.

Trocken gefallener Seerosenteich im Sommer 2019
Weitgehend verlandetes Kleingewässer

Maßnahmeumsetzung

 

Eine Darstellung der im Jahr 2019 durchgeführten Maßnahmen finden Sie hier.